Die Bestie in mir

Peter Fox beschreibt sie in seinem Song "Kopf verloren" und ich erlebe sie an Schattentagen.


Es wäre nicht die erste Charaktereigenschaft, die ich bei einer Selbstbeschreibung nennen würde. Arrogant, Ignorant und verdammt verletzend - kurz gesagt ein Beast. Jedoch sind all diese Synonyme ein Teil meines Ich´s, ob stolz darauf oder nicht.


Ich kann zur Bestie werden und um mich herum, die Welt zum schaudern bringen. Mit Blicken gebe ich anderen das Gefühl wertlos, ja gar schuldig zu sein. Schuldig am Elend aller, schuldig an meiner Trauer, schuldig einfach nur am Leben zu sein. Eine bestimmte Körperhaltung reicht aus, um alle um mich herum zum Schweigen zu bringen. Kaltes Schweigen voll Angst und Ungewissheit. Die Bestie in mir.


Sie wurde gepflegt, geliebt, geschult und über die Jahre erwachsen. Die Bestie in mir.


Irgendwie scheinen wir alle diese eine kleine oder große, laute oder leise Bestie in uns zu tragen. Manchmal taucht sie auf, wenn wir uns gekränkt fühlen und manchmal meldet sie sich zu Wort, wenn wir verletzt wurden. In machen Fällen wütete sie durch das Haus, zertrümmert und schlägt Türen ein und in wieder anderen Situationen meidet sie -innerlich wütend - jeden Menschen. Die Bestie in uns.



Man könnte sie hassen, viele unterdrücken sie, andere Leben sie aus und wieder andere versuchen sie auszutreiben. Die Bestie in uns.


Wahrscheinlich braucht sie nur Aufmerksamkeit - die Bestie in uns. Vielleicht möchte sie einfach nur ernst genommen werden. Etwas das so laut schreit, das um sich schlagen muss, etwas das böse Blicke braucht um Distanz zu schaffen, kann nur liebevolle Aufmerksamkeit benötigen. Die Bestie in uns.


Würden wir uns neben sie setzen, als wäre sie ein alter Freund und ein Gespräch mit ihr beginnen könnte es so aussehen:


"Hallo Bestie in uns, wie geht es dir? Warum musst du so laut schreien? Warum musst du beleidigen, die Welt verfluchen und alles verneinen? Warum siehst du überall Gewalt und Leid? Warum fürchtest du dich vor anderen Menschen, warum bist du so kalt und auch dein eigentlich so starkes Herz?"


"Ich fühle mich verloren, so einsam und schwach. Glaube das mich alle Welt hasst. Hier lacht man mich aus, hier glaubt man mir kein Wort. Egal, was ich mache, die Schuld trage ich. Ich fühle mich unsicher, schlafe kaum und bin immer gereizt. Menschenmengen machen mich krank, ich fühl mich da einfach nicht frei. Denn weißt du, als ich noch klein war und noch ganz normal, hab ich so verdammt viel Scheiße erfahren. Am Anfang hab ich mich verteidigt - eben ganz normal. Aber irgendwann hörte es nicht auf...Ich meine diese Qualen. Weißt du, wenn du ständig gedemütigt wirst, ständig hörst, das du nichts kannst... Wenn du unerwartet zu jedem erdenklichen Augenblick geschlagen wirst, von Menschen die sich deine Liebsten nennen, dann krampfst du zusammen...Irgendwann. Zumindest ging es mir so, dir deiner ineren Bestie.



Eigentlich weißt du, glaube bin ich nur der Ausdruck des menschlichen inneren Leids. Mich gibt es nur, weil andere nicht loslassen können. Und du irgendwie auch nicht, sonst wäre ich ganz normal. Deine kleine gehorsame Bestie, die dich in Notsituation beschützt, vor all den schrecklichen Dingen, die die Welt ins Ungleichgewicht drücken.


Stattdessen bin ich groß und vollkommen verwirrt. Kann mich nicht zügeln und Schwarz von Weiß nicht unterscheiden. Kann mich nicht kontrollieren, muss die ganze Zeit wild um mich greifen. Raste aus, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Raste aus, wann immer ich ausatmen kann. Verdammt jetzt bin ich deine Bestie, die dich nicht mal vor dir selbst beschützen kann."



Die Bestie in uns. Ich glaube sie will uns eigentlich nur vor Gefahren beschützen. Doch wie alle Gegebenheiten im Leben, entwickelt man sich so, wie man trainiert wurde. Eine Bestie, die dazu trainiert wurde auf Unschuldige zu gehen, weil sie so schneller wachsen oder überhaupt zur Geltung kommen konnte, wird bei aufkommender Wut jeden, der so gar nichts mit der Situation oder dem in sich aufkommenden Schmerz zu tun hat angreifen. Da wird der Partner zum schlimmsten Feind, weil er vergessen hatte anzurufen oder den Müll rauszubringen. Das eigene Kind verwechselt man mit seinem inneren Sadisten und macht es verantwortlich für seine schlechte Laune und der Nachbar wird zur Testobjekt in Sachen ausgefeilte Methoden für Ignoranz und Schikane. Hat man die Bestie in eine bestimmte Richtung geschult, greift sie wahre Freunde an und geht mit Feinden ins Bett. Die Bestie.


Zum Glück kann man das Gelernte - wie in der Schule - vergessen, siehe die Sinus und Kosinus Berechnung oder Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ. So kann auch die Bestie lernen, dann böse Blicke zu werfen, wenn tatsächlich jemand das eigene Haar krümmen möchte. Dann Tische und Stühle umzuwerfen, wenn jemand mit Fäusten und Waffen, das eigene Leben beenden möchte und dann mit Ignoranz um sich werfen, wenn böse Worte versuchen das Selbstbewusstsein zu schwächen. Die Bestie in uns.



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